Nachhaltigkeitssiegel haben in den letzten Jahrzehnten vermehrt an Bedeutung gewonnen. Immer mehr Firmen und Produkte werden mit Auszeichnungen über hohe Standards zum Beispiel bei Arbeitsbedingungen oder beim Umweltschutz ausgezeichnet. Auch Nachweise über einen niedrigen CO2-Ausstoß oder Energieverbrauch sind für viele Firmen interessant. Erfahren Sie hier, welche Kategorien von Nachhaltigkeitssiegeln es gibt, für welche Unternehmen sie relevant sind und worauf Sie achten sollten, wenn Sie ein Nachhaltigkeitssiegel für Ihr Unternehmen beantragen wollen.
Definition
Was ist ein Nachhaltigkeitssiegel?
Bei Nachhaltigkeitssiegeln handelt es sich um spezielle Gütesiegel, die eine nachhaltige Produktionsweise von Waren nachweisen. Dabei kann es um Klima- und Umweltschutz gehen, aber auch um faire Arbeitsbedingungen. Sie helfen dem Verbraucher bei der Kaufentscheidung, indem die Einhaltung bestimmter Richtlinien und Sorgfaltspflichten bei der Produktion von Waren garantiert wird. Nachhaltigkeitssiegel, mit denen Produkte gekennzeichnet sind, verweisen beispielsweise auf eine besonders soziale oder tierfreundliche Herstellung des Artikels oder einer umweltfreundlichen Verpackung. Um ein Nachhaltigkeitssiegel zu erhalten, muss in der Regel eine kostenpflichtige Prüfung der Produktion, teilweise auch der gesamten Lieferkette erfolgt sein. Mit Hilfe solcher Siegel erkennen potentielle Kunden, dass bestimmte Standards und Kriterien für Nachhaltigkeit eingehalten werden.
Welche Nachhaltigkeitssiegel gibt es?
Es gibt unterschiedliche Kategorien von Nachhaltigkeitssiegeln, je nachdem, welchen Aspekt von Nachhaltigkeit Sie prüfen oder garantieren wollen. Folgende Nachhaltigkeitssiegel für Lebensmittel, Kleidung und andere Produkte sind besonders beliebt:
- Tierwohlsiegel stehen für eine tierleidfreie Herstellung von Produkten. Bekannte Beispiele für Tierwohlsiegel sind „PETA Cruelty-Free“ und “PETA-Approved Vegan” der People for Ethical Treatment of Animals, die „Sonnenblume“ der britischen Vegan Society, der Responsible Wool Standard (RWS), der Responsible Down Standard oder auch das DownPromise der Marke Fjäll Raven.
- Bio-Siegel verweisen auf einen hohen Anteil ökologischer Inhaltsstoffe oder Materialien. Wichtige Öko-Siegel sind das staatliche Bio-Siegel, das EU Ecolabel, der Organic Content Standard 100 (OCS), der Öko-Tex100 Standard und der Global Organic Textile Standard (GOTS).
- Umweltsiegel beziehen sich häufig auf eine ressourcenschonende Produktion, den sparsamen Umgang mit Chemikalien oder einen geringen CO2-Ausstoß. Zu den bekanntesten Umweltsiegeln zählen „PET Recycled“ sowie „100% PFC Free“, die „Rainforest Alliance“ und das Umweltzeichen „Der Blaue Engel“.
- Energieeffizienz-Siegel bescheinigen, dass ein Gebäude nachhaltig und energiesparend gebaut wurde. Bekannte Siegel für Gebäudeeffizienz sind die DGNB und QNG-Zertifizierung.
- Fairness-Siegel weisen auf die Wahrnehmung sozialer Verantwortung, zum Beispiel bei Arbeitsbedingungen hin. Die Fairtrade-Siegel „Fairtrade Textile Production“ und „Fairtrade Cotton“ sind am bekanntesten, relevant ist außerdem das Siegel der Fair Labor Association.
Welche Kriterien gibt es, um ein Nachhaltigkeitssiegel zu erhalten?
Kriterien für Nachhaltigkeitssiegel gibt es viele verschiedene, dementsprechend unterschiedlich können die Anforderungen an Produzenten sein. Bei einigen Öko-Siegeln muss ein bestimmter Anteil der verwendeten Lebensmittel biologisch angebaut worden sein, wobei auf Gentechnik und Pestizide verzichtet werden muss. Während es bei manchen Siegeln auf die verwendeten Materialien ankommt, wird bei anderen Nachhaltigkeitssiegeln die gesamte Lieferkette einbezogen.
Wer kann ein Nachhaltigkeitssiegel erhalten?
Nachhaltigkeitssiegel können sowohl direkt von Produzenten als auch von Unternehmen beantragt werden. Wichtig ist, dass die entsprechenden Richtlinien des jeweiligen Siegels eingehalten werden. Entsprechen die Arbeitsbedingungen im Unternehmen, die Bezahlung von Zulieferern und Partnern oder die Qualität der Produkte den Mindestanforderungen, kann ein Nachhaltigkeitssiegel vergeben werden.
Warum sind Nachhaltigkeitssiegel von Bedeutung?
Nachhaltigkeitssiegel werden für viele Firmen und Produkte immer wichtiger. Denn das Bewusstsein für Umwelt- und Klimaschutz sowie soziale Verantwortung wächst bei Verbrauchern und Behörden. Dementsprechend sind Nachhaltigkeitssiegel für Unternehmen sehr vorteilhaft, um das Interesse von Kunden zu wecken. Aber auch Investoren und Förderungsinstitutionen legen häufig Wert auf ESG-Kriterien und bevorzugen Unternehmen mit Nachhaltigkeitszertifikaten. Erhalten Sie ein Nachhaltigkeitszertifikat für ein Haus, steigert das den Wert der Immobilie.
Welchen Siegeln kann man vertrauen?
Kritische Verbraucher lassen sich nicht mehr durch jedes nichtssagende Zertifikat beeindrucken. Es ist daher wichtig für Unternehmen, sich die richtigen Nachhaltigkeitssiegel zu sichern und kein Geld für durchschaubares Greenwashing zu verschwenden. In vielen Fällen eignen sich am besten staatliche Siegel, aber es gibt auch einige seriöse Nachhaltigkeitszertifikate von NGOs. Bei Lebensmitteln und Kosmetik gilt das staatliche Bio-Siegel, welches die Kriterien der EG-Öko-Verordnung garantiert, als vertrauenswürdig, ebenso das europäische Bio-Siegel für Produkte, die nach den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau produziert wurden. Altbekannte Siegel wie der Blaue Engel, die PETA-Labels und die Fairtrade Siegel für Kleidung, Lebensmittel und andere Produkte werden ebenfalls als seriös wahrgenommen. Für technische Geräte wie Kühlschränke empfiehlt sich das EU-Energielabel.
Für welche Produktgruppen gibt es Nachhaltigkeitssiegel?
Als nachhaltig können verschiedenste Produkte gelten. Besonders in den Bereichen Lebensmittel, Kosmetik und Kleidung sind in den letzten Jahren vermehrt Nachhaltigkeitssiegel hinzugekommen, aber auch bei Elektrogeräten, Fahrzeugen und Gebäuden kann Nachhaltigkeit eine Rolle spielen und entsprechend zertifiziert werden. Ebenso ist auch die Zahl als nachhaltig zertifizierter Verpackungen deutlich gestiegen.
In welchen Branchen kommen Nachhaltigkeitssiegel zum Einsatz?
Das Thema Nachhaltigkeit ist mittlerweile für sehr viele Branchen relevant. Demensprechend gibt es verschiedene Zertifikate in Landwirtschaft, Mode und Kosmetik. Ebenso wie es Nachhaltigkeitssiegel für Holz, Chemie, Energie, Bau, Autoindustrie oder Reisebranche: Für beinahe jeden Bereich gibt es Zertifikate über die Nachhaltigkeit im Unternehmen – von der Produktion bis hin zur Lieferkette. In der Industrie geht es häufig um Zertifikate über einen niedrigen CO2-Ausstoß, während Kosmetik und Lebensmitteln chemiefreie, tier- oder umweltfreundliche Inhaltsstoffe bescheinigt werden. Zertifikate über soziale Aspekte wie Arbeitsschutz und faire Bezahlung können für sämtliche Branchen hilfreich sein, die Produkte im Ausland fertigen lassen.
Kosten
Wie viel kostet ein Nachhaltigkeitssiegel?
Die Preise für Nachhaltigkeitssiegel können je nach Thema, Branche und Unternehmensgröße stark variieren. Sind Prüfungen besonders umfangreich, können Sie mit höheren Kosten rechnen. Die Bio-Kontrollen in der Landwirtschaft und Lebensmittelherstellung kosten beispielsweise etwa 300 bis 1.000 € pro Jahr. Eine Fairtrade Zertifizierung kostet Sie einmalig 2.000 bis 3.000 € und für jedes weitere Produkt etwa 200€. Ein DGNB-Zertifikat für Gebäudeeffizienz kostet etwa 1.000 bis 2.000 €.